Johannes Gutenberg seine Würde zurückgeben!

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Die Verwaltung wird gebeten, im Rahmen der Vorbereitungen zur Änderung der für den südlichen Teil der Ludwigsstraße maßgeblichen Bebauungspläne auch die Chance für eine unerlässliche Stadtreparatur auf der Westseite des Gutenbergplatzes zu ergreifen, d.h. den Gutenbergplatz baurechtlich in die anstehenden Überarbeitungen mit einzubeziehen. Ziel muss sein, dem Gutenbergplatz dort wieder jene bauliche Fassung zu geben, die kennzeichnend war für das napoleonische Konzept eines würdigen Erinnerungsortes für den größten Sohn der Stadt. Das zukünftige Baurecht soll – sofern es geändert wird – sich an dem bestehenden Geltungsbereich des A 262 orientieren.

Die wiederherzustellende „Portalsituation“ zur Ludwigsstraße hin bedingt Bebauungsplanfestsetzungen, die auf dem Anwesen Gutenbergplatz 2 ein Gebäude erlauben, das sich in seiner Geschossigkeit, in seiner Dachform und seinem Fassadenduktus an dem als Leitbau bestehenden Haus Gutenbergplatz 1 („Napoleonhaus“) orientiert. Im Erdgeschoss soll die Ausbildung einer Arkade möglich sein, wie sie der französische Chefingenieur St. Far für alle Bauten auf der „place Guttemberg“ vorgesehen hatte. In diesem Zusammenhang und aus städtebaulichen Gründen (Torsituation) emp-fiehlt sich ein Vorziehen der nördlichen Bauflucht um ca. drei Meter.

Begründung:

Mit dem Dekret Napoleons vom Oktober 1804 wurde der Grundstein gelegt für die städtebauliche Neuordnung des Gebietes zwischen dem Höfchen und dem heutigen Schillerplatz. Zu Ehren des berühmtesten Sohnes der Stadt sollte ein großer Platz als neuer Stadtmittelpunkt dienen (“place Guttemberg”). Eine gerade Straße („rue Napoleon“) war als Verbindung zum heutigen Schillerplatz gedacht. Die Realisierung erfolgte abschnittsweise im Laufe des 19. Jahrhunderts. Nach 1945 gliederte man den Gutenbergplatz in eine auf der Südseite der Ludwigsstraße neu konzipierte Reihung kleiner Plätze ein, er wurde einer unter vielen. Damit ging auch der in der napoleonischen Planung angelegte Kontrast zwischen Enge (Straße) und Weite (Platz) verloren.

Die Rückbesinnung auf den einstigen Korridorcharakter der Ludwigsstraße und die damit verbundene Beseitigung der nach 1950 zwischen den Pavillons entstandenen Plätze lassen sich nur rechtfertigen, wenn es auf der Westseite des Gutenbergplatzes ebenfalls zu einer Rückbesinnung auf das städtebaulich-architektonische Konzept der napoleonischen Ära kommt.

Erinnert sei auch an die Berichte der AZ vom 10.08., 29.10. und 30.10.2013 mit einem Vorschlag einer Gruppe Mainzer Prominenter („Gutenberg-Initiative“ ) zum Gutenbergplatz. Sie berichtete am 24.5.2014 mit der Überschrift "Brief stößt auf offene Ohren" und veröffentlichte zuletzt am 08.06. 2016 das Fazit des „Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (RVDL)” mit einer gekonnten Computersimulation, die ein gutes Bild der gewünschten Torsituation vermittelt (siehe Anhang.) Wir vermissen eine eindeutige Stellungnahme der Verwaltung.

Jürgen Hoffmann
Sprecher der SPD-Fraktion

Renate Ammann
Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/die Grünen

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